Niedersachsen (red). Die Wege, um sich mit Lebensmitteln zu versorgen, sind mittlerweile vielfältig. Ob Lieferservice, Supermarkt oder direkt vom Hof – in den letzten Jahren haben sich im Bereich der Lebensmittelversorgung unterschiedliche Konzepte entwickelt. Mit dem Thema „Lebensmittelversorgung neu gedacht“ haben sich die Teilnehmer*innen des Arbeitskreises Agrar, der sich aus Mitgliedern der Niedersächsischen Landjugend e.V. (NLJ) sowie des Agrarausschusses der NLJ zusammensetzt, im September 2023 beschäftigt. Aus dem Austausch und den Diskussionen während der Arbeitskreistagung ist dieses Positionspapier entstanden.

In welche Richtung sich die landwirtschaftliche Produktion auch entwickelt: Das Wichtigste für uns ist, dass die Produktion von Lebensmitteln – egal, ob ökologisch oder konventionell, tierisch oder pflanzlich – in der Landwirtschaft bleibt und landwirtschaftliche Produktionsflächen in erster Linie von Landwirt*innen bewirtschaftet werden.

Im Ackerbau kann der Anbau von alternativen Kulturen, beispielsweise von Erbsen, Sojabohnen und Lupinen, eine Möglichkeit darstellen, sich zukünftig breiter aufzustellen und eine Anpassung an die Klimaveränderungen vorzunehmen. Um diese neuen Anbaukonzepte voranzubringen, ist ein Fokus auf dem Gebiet der Forschung im Bereich Pflanzenzüchtung unerlässlich.

In Bezug auf unsere zukünftige Lebensmittelproduktion sehen wir insbesondere im Bereich der Tierhaltung große Veränderungen auf uns zukommen. Aus diesem Grund halten wir es für wichtig, im Bereich der Veredelung – neben der klassischen Tierhaltung – auch Alternativen in Betracht zu ziehen. Hier ist beispielsweise die Produktion von Insekten als Nahrungsund Futtermittel zu nennen. Aber auch durch neue Anbaukonzepte unter Dach, wie Indoorund Vertical-Farming, können auf engstem Raum Lebensmittel in großer Menge für lokale Märkte produziert werden und damit Alternativen für Landwirt*innen schaffen. Trotzdem sind wir der Ansicht, dass auch für die zukünftige Lebensmittelproduktion die klassische Tierhaltung unbedingt notwendig ist. Die vielen Grünland- sowie ertragsschwächeren Ackerflächen in Niedersachsen lassen sich nur durch Tierhaltung sinnvoll in die Lebensmittelproduktion integrieren.

Dabei ist es – gerade vor dem Hintergrund der Auflösung der Borchert-Kommission – umso wichtiger, neue Lösungen zu finden, um die Tierhaltung moderner und zukunftsorientiert zu gestalten. Der Umbau von bestehenden Stallgebäuden muss ohne Erschwernis durch zu viele rechtliche Vorgaben möglich sein. Eine Umstellungsprämie könnte landwirtschaftlichen Betrieben Hilfestellung geben, um neue Produktionskonzepte zu realisieren, wenn die klassische Tierhaltung dort nicht mehr möglich ist. Für uns bedeutet das im Bereich der Tierhaltung, dass wir moderner werden und gleichzeitig auch offen für neue Wege sein müssen. 

Hierfür ist eine zuverlässige politische Planungssicherheit – insbesondere für uns Junglandwirt*innen – unerlässlich!