Donnerstag, 28. November 2019 10:37 Uhr

Eintracht auf der "Intensivstation" - Nur ein Wunder kann Oberligisten retten: Von Hartmut Kölling

Northeim (hakö). Wie hat sich das Bild nur verändert. Aktuell: Zuschauer, die unter "Tribünenentzug" leiden und frösteln. Viel zu späte Ansetzungen und das auch noch ausschließlich auf von den Fans ungeliebtem Kunstrasen. Ein Muster ohne Wert, wenn nur Technik gefragt ist. Wo bleiben die Kampfszenen auf dem doch durchaus bespielbaren A-Platz?

Dann die angeblich Blei belasteten Erdwälle auf dem Parkplatz vor dem Stadion. Parkraum gleich Mangelware. Unglaublich die Situation auf dem städtischen Ausweich-Parkplatz an der Bundes-Technikerschule. Tiefe Löcher und Matsch "begrüßen" die Fußballfans. Unglaublich. Kopfschütteln bei Gästefans. Absolut kein Aushängeschild eines eigentlich seriösen Vereins, der sich gern damit brüstet, das einzige Aushängeschild der Region zu sein. Oder haben Stadt und Verein bereits das Tischtuch zerschnitten? Was ist los am Rhumeufer? ### Keine wärmende Gaststätte vor und nach dem Spiel, wie auch in der Pause. "Open Air" für treue Fans. Wo bleibt die Fürsorgepflicht eines Traditionsclubs, hervor gegangen 1992 aus SuS und VfB Northeim und dem FC Sultmershagen?

Der Oberligist gerät zunehmend ins Stocken, sportlich und wirtschaftlich, nach dem überraschenden Rückzug des Hauptspendengebers aus einem Öko-Dorf mit "Weltbühne" am Rande von Bad Gandersheim. Da kann auch eine sich selbst auferlegte Harmonie auf der Eintracht- Jahreshauptversammlung vor wenigen Tagen nicht hinwegtäuschen. Wichtige Mitglieder aus Vorstand und Aufsichtsrat fehlten. Die Devise hätte nach der Übergabe des "operativen Geschäftes" an der Vereinsspitze, von der charismatischen, erfolgreichen Unternehmerpersönlichkeit Wolfgang Hermann, einst ein kaum zu stoppender, wieselflinker Linksaußen, auf den Heckenbecker Dietmar Herrdum, lauten müssen "Ball flach halten" und nach einer Serie von Niederlagen durchaus zwingend auch mal die "T-Frage" / Trainer-Frage zu stellen. Hohes Fachwissen ist gefragt bei einem Coach und seinem Umfeld. Da sollte auch der Teammanager nachweislich Fußballkenntnis haben aus eigener Erfahrung als Spieler.

Und nicht, wie geschehen und von einem erfolgreichen Ex-Eintracht-Trainer kommentiert, daß sich der Eintracht-Coach der letzten Saison angeblich bei einem Referat vor Göttinger Vereinsvertretern selbstherrlich auf die Brust klopft und arrogant davon spricht, daß nur Eintracht Northeim Vorbild sein kann in Südniedersachsen. 

200.000 Euro fehlen. Die Zukunft des FC Eintracht Northeim sieht derweil keineswegs positiv aus, auch vor dem Hintergrund, seit langem schon ehemals verdiente Ehrenamtliche aus guten und gesunden, erfolgreichen Zeiten "einfach links" liegen zu lassen und nicht mehr "einzuwechseln". Das müssen sich Tim Schwabe, Moritz Braukmüller, Florian Becker und Hartmut Denecke vom JHV-Vorstandstisch im DGH Langenholtensen fragen lassen. Erfahrung zählt, man organisiert und koordiniert und nimmt auch mal die Fans in den Arm. Das müssen junge, karrierebewußte Funktionäre eben noch lernen. Nur Erfolg haben, zum Beispiel als Übungsleiter der Damen-Mannschaft, reicht bei weitem nicht.

Bekanntlich hat sich das Team, die "Bodyguards" um Dietmar Herrdum in der Chefetage des FCE "gutes" (!) Geld zahlen lassen. Damit ist nun Schluß. "Zurück zu den Wurzeln" kann es nur heißen. Mit Mut, Engagement und Weitsicht und ehrlicher Vereinsarbeit.

Bekanntlich erhielt ein Teil der Vorstands-"Bodyguards" um Dietmar Herrdum Vergütungen für ihr Engagement. Tomas Sniadowski, Tom Köhler und Moritz Braukmüller dagegen arbeiteten ehrenamtlich "ohne einen Cent". Es kann also nur heißen "Zurück zu den Wurzeln".

Schade um den Fußball in Northeim. Mit dem Rückzug des Hauptspendengebers kommt an die Öffentlichkeit, daß hoch motivierte, ambitionierte Oberligaspieler und auch Funktionäre an der Spitze "arg getäuscht und geblendet" wurden mit viel Geld, mit Wahnsinnssummen. Folge: Spieler werden jetzt den Verein verlassen, unter anderem ganz gewiß auch in Richtung Nörten-Hardenberg und Göttingen.

Der Verein mit Aufsichtsrat und Vorstand sollte sich auch fragen, ob alles in Ordnung war von Beginn an, mit sechsstelligen Summen zu jonglieren. Jetzt wartet ein talentierter Nachwuchs auf seine Aufgaben. Ihm sollte man Zeit geben - "ohne Geld" und mit ganz viel Vertrauen.

Und mit Blick auf die 1. Herrenmannschaft: Vielleicht macht es ja in Zukunft als möglicher Absteiger wieder mehr Spaß, Derbys zu bestreiten, eventuell gegen Aufsteiger Nörten, als gegen unbekannte, namenlose Clubs 90 Minuten zu überstehen. Das dann aber bitte wieder auf dem A-Platz des Gustav-Wegner-Stadions zu normalen Anstoßzeiten. Und immer daran denken: Die 1. Herren Mannschaft ist das Aushängeschild des Vereins, neben der Jugend mit seiner erfolgreichen, schon vor über 20 Jahren beginnenden Integrationsarbeit. Und bitte nie den Fan vergessen. Nur so können sich Zuschauerzahlen positiv entwickeln. Ich erinnere mich nur zu gern an die einst heißen Derbys der Eintracht unter anderem gegen SVG Einbeck, Göttingen 05, SVG Göttingen, SC Weende. Den Torjubel hörte man in der ganzen Stadt. Da müssen wir wieder hin. Ohne überheblich zu wirken. Und das mit einer gesunden, begeisternden Fankultur.

Fotos: Hartmut Kölling

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