Northeim (lpd). Die Abkürzung „LuToM“ steht für „Liebe und Tränen ohne Mauern“. Dahinter verbirgt sich ein konfessionsübergreifendes Angebot des Ambulanten Hospizdienstes Leine-Solling für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, die mit schwerer Krankheit, Sterben und Tod konfrontiert sind.
Landrätin Astrid Klinkert-Kittel hat die Einrichtung in Northeim jetzt besucht und sich über die Inhalte und Ziele des Projektes informiert.
„Kinder geraten bei der Trauerarbeit oftmals in den Hintergrund“, weiß Susanna Lenkewitz, Projektleiterin von LuToM, aus Erfahrung zu berichten. Dabei sei es erwiesen, dass unverarbeitete Trauer Spätfolgen haben kann.
Aktuell kümmern sich neun Betreuerinnen und ein Betreuer um fünfundzwanzig Kinder und Jugendliche. Die Betreuung erfolgt derzeit in sechs altersgerecht zusammengesetzten Gruppen, die jeweils von zwei bis drei der zumeist ehrenamtlichen Betreuungskräfte gemanagt werden.
Die Treffen finden regelmäßig alle drei Wochen in den eigens angemieteten Räumen im Gebäude in der Teichstrasse 18 in Northeim statt. LuToM ist seit 2014 in den neuen hellen und freundlichen Räumen, mit ausreichend Platz für individuelle Angebote. Dabei gibt es das Projekt schon seit 2007. „Damals haben wir mit zunächst zwei Gruppen begonnen“, erklärt Susanna Lenkewitz, die sicher ist, dass, obwohl sich die Anzahl der Gruppen seitdem deutlich erhöht hat, der eigentliche Bedarf sicher noch deutlich höher ist.
Um das Angebot bekannt zu machen, arbeitet das Projekt auch mit Schulen zusammen, oder stellt die Arbeit in Kindertagessstätten vor. Für die Dritten und vierten Klassen der Grundschulen gibt es das Angebot „Hospiz macht Schule“, im Rahmen dessen in einer Projektwoche eine kindgerechte Aufklärung angeboten wird.
Vielfach erfolgt der Hinweis auf die Begleitungsangebote vom LuToM allerdings über „Mund zu Mund Propaganda“, über Pflegedienste, Krankenhäuser oder auch Bestatter. „Für uns ist Netzwerkarbeit besonders wichtig“, macht Anke Mellotat deutlich, die sich neben ihrer hauptberuflichen Tätigkeit als Schulsozialarbeiterin ehrenamtlich für die Trauerarbeit mit Kindern und Jugendlichen engagiert.
Für ein erstes Kennenlernen wird auch an jedem ersten Samstag im Monat ein „Familientrauercafé“ angeboten. Die Teilnahme ist vollkommen unverbindlich möglich. Aktuell gibt es auch eine Selbsthilfegruppe für trauernde junge Frauen und Männer, deren Partner verstorben sind.
Das eigentliche Angebot ist kostenfrei. Lediglich ein kleiner Kostenbeitrag wird erhoben. Ständig werden deshalb finanzielle Zuwendungen benötigt, damit die anfallenden Fixkosten beglichen werden können und das wichtige Angebot, welches in Südniedersachsen bisher einmalig ist (das nächste vergleichbare Projekt gibt es in Hannover), weiter fortgeführt und ausgebaut werden kann.
Weil Trauer häufig über viele Jahre bleibt, verwundert es kaum, dass einige Kinder schon über fünf Jahre in den Gruppen sind.
„Wir versuchen über Aktionen und altersgerechte Angebote dazu beizutragen mit dem Verlust Leben zu lernen“, macht Susanna Lenkewitz das Ziel der Arbeit deutlich. Größter Lohn sei mitzuerleben, wie sich die Kinder verändern, sich öffnen und die Angebote annehmen. Ein Prozess, der im Elternhaus oftmals nicht möglich sei, da dort häufig „Schweigen“ als Bewältigungsstrategie vorherrsche.
Offen ist das Angebot für Kinder und Jugendliche aller Konfessionen aus dem Landkreis Northeim und auch darüber hinaus.
Landrätin Astrid Klinkert-Kittel ist beeindruckt von dem Projekt und der Arbeit, die die speziell für die Kinder- und Jugendtrauerarbeit aus- und fortgebildeten Ehrenamtlichen leisten. „Obwohl der Tod zum Leben dazu gehöre, handelt es sich nach wie vor um ein Tabuthema, was den Weg zum Hospizdienst offenbar schwer mache“, resümiert Landrätin Klinkert-Kittel nach dem Besuch.
Wer sich über die Angebote informieren oder anmelden möchte kann dies per E-Mail an
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