Northeim (red). „Woran erkennt man einen Diktator?“, fragte Pastor und Schriftsteller Albrecht Gralle im Namen des Ökumenischen Arbeitskreises am vergangenen Samstag bei der Northeimer Gedenkveranstaltung für die Opfer des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine. „Unter anderem daran, dass er sich die Wahrheit menschenverachtend zurechtbiegt.“
Vor fast elf Jahren habe Putin die Krim annektiert und versprochen, nicht weiter zu gehen. Dieses Versprechen brach er, so wie es in der Welt inzwischen viele Machthaber tun, machte Gralle deutlich. Auch bei uns werde die Wahrheit in der Politik immer wieder gebeugt. „Als Christen glauben wir an einen Gott, der die Wahrheit ist“, hielt er dagegen. Gott sei immer auf Seiten der Menschen. Daher könnten Machthaber zwar kurzfristig ihre Ziele durchsetzen, auf lange Sicht habe das aber keinen Bestand.
Der Einladung des Ukrainischen Hauses Northeim zur Alten Wache waren am vergangenen Samstag viele gefolgt, ein Großteil von ihnen Menschen aus der Ukraine, die der Opfer des Krieges und auch der entrissenen Heimat gedenken wollten. „Die vergangenen drei Jahre haben vieles verändert“, sagte Bürgermeister Simon Hartmann. In der Ukraine, aber auch in der Ordnung der Welt. Wenn wir auch aktuell eine „Entsolidarisierung“ erlebten, müsse Europa die Ukraine weiter unterstützen, bekräftigte er.
Besonders emotional wurde es, als zum einen ein neuer kleiner ukrainischer Chor Lieder über die Liebe zur Heimat sang und zum anderen Natalja und Slava Hryhoryev auftraten, die für die Kriegsopfer sangen. Da wurden im Publikum einige Augen feucht und auch für diejenigen, die sprachlich nicht folgen konnten, war mehr als deutlich, dass es hier nicht nur um ein politisches Zeichen, sondern um tiefe Verletzungen, Sehnsüchte und Hoffnungen ging.
Yuliya Divivi dankte zum Abschluss im Namen des Ukrainischen Hauses und aller Menschen aus der Ukraine all jenen Northeimern, die Menschen halfen und helfen, die hier neue Zuversicht geben, die sich um Begegnung, Austausch und gegenseitiges Kennenlernen bemühen.
Foto: Christian Dolle