Montag, 19. April 2021 09:52 Uhr

"Leerstand und Baustelle" - Für Northeim die Worte des Jahrhunderts - Kreisstadt im Tiefschlaf?

Ein Kommentar von Hartmut Kölling: Northeim (hakö). Baustellen über Baustellen, wohin das Auge reicht, in und um die Kreisstadt herum. Bürgerinnen und Bürger von Northeim, vor allem auch Pendler, verlieren langsam die Geduld, den Glauben an die Politik, an Rat und Verwaltung der einst stolzen Stadt mit der einmalig schönen Lage in der Harz-Wesrr-Region, direkt an der A7 mit immerhin zwei Anschlußstellen, die allerdings immer wieder gesperrt werden im Zuge der nie enden wollenden Verbreiterung der Autobahn. Die Ampelanlage an der A7-Unterführung Hollenstedt/Northeim an der Seenplatte ist wohl für eine ganze Generation gedacht. Längst eine "Lachnummer", nicht nur unter Pendlern aus dem Leinetal. 

"Augen auf!", auch in den hinteren Reihen der Kommunalpolitik. Northeim's Innenstadt stirbt. Einst eine Stadt, in die Touristen nur so strömten. Historische Stadtmauer, eine Fachwerkkulisse zum Verlieben und Plätze, die einluden zu großen Events. "Aus einst belebten Einkaufsstraßen sind tote Zonen geworden", beklagt auch der Präsident der Industrie- und Handelskammer Niedersachsen (IHKN), Uwe Goebel. Niedersachsens Bau- und Umweltminister Olaf Lies (SPD) spricht gar von einem "Teufelskreis": "Käufer meiden die Innenstädte, Händler gehen pleite, Geschäfte stehen leer". Das ist seit Jahren auch in Northeim der Fall. Schnelles Handeln ist angesagt, endlich zu erfolgreichen Mitteln greifen, so auch das Stadtmarketing neu aufstellen. Die Entscheidungsträger wirken eher ratlos und auch mutlos. Damit muß Schluß sein. Sonst ist jede Diskussionsrunde ein Akt der Verzweiflung, auch in Zeiten der Pandemie. Das ist keine Entschuldigung. Gerade jetzt sollten Veränderungen im Stadtbild sichtbar werden. 

Der Münsterplatz als grandioser Event-Tempel ruft nach Sanierung. In Erinnerung sind die Live-Übertragungen der Spiele der deutschen Mannschaft bei der WM 2006. Eine super vom FC Eintracht Northeim unter ihrem damaligen Vorsitzenden Wolfgang Hermann organisierte Veranstaltung, zu der immerhin weit mehr als 20.000 Fans in die Stadt strömten. Die Parteien im Rat der Stadt halten sich in punkto Neuorientierung bedeckt, tauchen unter, entwickeln keine Ideen, um der Stadt wieder Leben einzuhauchen mit mehr Angeboten in der Innenstadt. Alles unter normalen Umständen. Diskutieren sollte man das künftige Bild der "guten Stube" aber schon jetzt und das vor einer breiten Öffentlichkeit. Eben das wird jedoch vermißt. Wo bleibt das "Sammelbecken guter und kluger Ideen?" 

Kaum noch zu ertragen ist der andauernde Ausbau am Harztor, die Sperrung der Straße über den Friedhof hinaus. Das belastet unter anderem mehr und mehr die an den Umleitungsstraßen gelegenen Gemeinden, wie Denkershausen, Lagershausen, Elvershausen, Sudheim und Suterode. Die Einwohner sind mit ihren Nerven am Ende. Dann das Zuckerfabrik-Areal. Schändlich. Zu Recht hat erst kürzlich die FUL im Northeimer Stadtrat den Rückbau des Geländes am westlichen Stadtrand gefordert. Warum melden sich die anderen Parteien/Fraktionen im Rat nicht zu Wort? Kein Aushängeschild für eine eigentlich selbstbewußte Kreisstadt. Längst hat der "Zahn der Zeit" an Gebäuden und Maschinen genagt. Das sollte den Eigentümer der 1985 geschlossenen Zuckerfabrik, die Kiesabbaufirma August Oppermann (Hedemünden), längst schon zum Handeln bewogen haben. 

Und noch ein Problem: Die Stadt sollte längst klären, warum die Bahnschranken am Mühlentor nicht modernisiert werden. Es ergeben sich täglich viel zu lange Wartezeiten für Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger. Schlimm, wenn es einen im Einsatz befindlichen Krankenwagen betrifft, der erst kürzlich mit Blaulicht ungeduldig wertvolle Zeit an der Bahnstrecke verlor. Schäbig das Bild an der Rhumemühle. Der Wehrüberlauf am Supermarkt Kaufland steckt voller Dreck. Die meisten Straßen in der Stadt vermitteln eher das Bild einer Buckelpiste. Unter anderem die Eichstätte und Graf-Otto-Straße. Es gibt jede Menge zu tun. Zeit würde es gerade jetzt geben, um der Bevölkerung zu zeigen, Rat und Stadtverwaltung kümmern sich, reden nicht nur, sondern packen an.

Fotos: Hartmut Kölling

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